Friederike Mayröcker




Hier könnt ihr schreiben was es sonst so noch gibt außer barfuß.

Friederike Mayröcker

Beitragvon tiptoe » Fr 4. Jun 2021, 22:07

Die dichterin Friederike Mayröcker ist mit 96 jahren gestorben. Aus verschiedenen rückblicken geht hervor, dass sie mit 6 bis 17 jahren in Deinzendorf/Weinviertel barfuß aufgewachsen ist .... Und wieder ein beispiel für eine person, die sich in hohem alter positiv daran erinnert, in der kindheit barfuß gegangen zu sein.

https://www.deutschlandfunk.de/nachruf-auf-friederike-mayroecker-poesie-als-lebensprinzip.691.de.html?dram:article_id=498326
„Ich war ein unerhört stilles Kind, sanft und furchtsam. Aber ich war durch diese Sommer in Deinzendorf so naturbelassen, irgendwie. Ich bin bloßfüßig gelaufen, das hat so gut gepasst zu Deinzendorf, dieses Bubenhafte. Man hat auf nichts Rücksicht nehmen müssen. Ich bin halt barfuß die Straße hinaufgelaufen, das war damals alles noch nicht asphaltiert. Das war herrlich. Eine Dorfstraße. Da habe ich hinter mir ein Weidengebüsch hergezogen, das war mein Hund. Das war eine wunderbare Zeit.“

https://www.wissen57.de/friederike-mayrocker.html
In den Texten von Friederike Mayröcker kommen Begriffe vor wie „Körperruine“ oder „Monster im Spiegel“. Das ist deswegen der Fall, weil sie sich selbst so wahr nimmt und ihr diese Tatsache nicht gefällt. Trotzdem behauptet sie, nur äußerlich das alte Weib zu sein, das durch die Straßen humpelt, innerlich sei sie noch immer ein Mädchen von 17 Jahren, das barfuß in Deinzendorf über eine Wiese läuft. Friederike Mayröcker gibt zu, dass sie das Altwerden fürchterlich stört, obwohl es man ihr nicht ansieht. Außerdem sei sie furchtbar eitel.

Rückschluss: Es ist eines von vielen details, die zu einer glücklichen kindheit dazugehören und das ganze leben bereichern. Und warum hören die meisten irgendwann auf und dann ist es nur noch eine ferne erinnerung? Für mich ist es etwas, das uns in jedem lebensalter bereichert und belebt.
tiptoe
 
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von Anzeige » Fr 4. Jun 2021, 22:07

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Re: Friederike Mayröcker

Beitragvon Jojo » Sa 5. Jun 2021, 20:05

tiptoe hat geschrieben:„Ich war ein unerhört stilles Kind, sanft und furchtsam. Aber ich war durch diese Sommer in Deinzendorf so naturbelassen, irgendwie. Ich bin bloßfüßig gelaufen, das hat so gut gepasst zu Deinzendorf, dieses Bubenhafte. Man hat auf nichts Rücksicht nehmen müssen. “


Finde ich interessant dass sie Barfußlaufen als bubenhaft bezeichnet. Damals sind ja auch viele Mädchen barfuß gewesen. Aber es war doch etwas Bubenhaftes!
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Re: Friederike Mayröcker

Beitragvon tiptoe » So 6. Jun 2021, 15:11

Die auffassungen darüber, ob barfußlaufen für mädchen (altmodisch ausgedrückt) schicklich ist, ob das keusch und unschuldig oder burschikos und provokant ist, naturverbunden, gesellschaftskritisch oder ganz einfach den eltern das schuhekaufen erspart, wandeln sich je nach zeitalter und weltgegend und sind nicht immer besonders logisch. So könnte es schon vor 90 jahren die auffassung gegeben haben, ein mädchen aus gutem hause geht nicht barfuß (und robuste füße sind sowieso nur was für jungen). Was dann wohl im Weinviertel erfrulicherweise nicht galt.

Logisch wäre barfuß als normalfall und schuhe nur dann, wenn als schutz vor kälte oder unangenehmen/gefährlichen dingen nötig, und zwar genau solche schuhe, die diese funktion erfüllen, ohne einem zu schaden. Ohne irgendwelche weiteren zuschreibungen. Logisch wäre auch, keinen grundsätzlichen unterschied zwischen mädchen und jungen zu machen, sondern (neben vielen anderen dingen) das barfußlaufen allen gleichermaßen zu ermöglichen, unabhängig von alter, geschlecht und irgendwelchen anderen kriterien.
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